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Thema: Flakhelfer: gefallen in Ausübung ihres Dienstes

  1. #1
    Gast Avatar von niemandsland
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    Flakhelfer: gefallen in Ausübung ihres Dienstes

    In der Nacht vom 27.09. auf den 28.09.1943 bei dem schweren Luftangriff auf Hannover sterben in der Flakbatterie Langenhagen 13 Schüler aus Hannover.

    Die Opfer im einzelnen :

    • Büthe, Oswald : Schüler der Bismarckschule
    • Busch, Wolfgang : Schüler der Bismarckschule
    • Fröhlich, Erich-Günther : Schüler der Bismarckschule
    • Grahl, Hans-Ludwig : Schüler der Bismarckschule
    • Hahlbrock, Günther : Schüler der Bismarckschule
    • Kahlert, Friedrich : Schüler der Bismarckschule
    • Schöne, Günther : Schüler der Bismarckschule
    • von Wienskowski, Hans-Wolf : Schüler der Bismarckschule
    • Berner, Hermann : Schüler der Lutherschule
    • Borges, Otto : Schüler der Lutherschule
    • Kalk, Hans-Jürgen : Schüler der Lutherschule
    • Ude, Horst-Günther : Schüler der Lutherschule
    • Wittleder, Wolfgang : Schüler der Lutherschule


    6.2 Das Denkmal für die 13 gefallenen Luftwaffenhelfer

    Dieses Denkmal zur Erinnerung an die beim Bombenangriff vom 27./28. September 1943 in Ausübung ihres Dienstes als Luftwaffenhelfer gefallenen Schüler der Bismarck- und der Lutherschule war wohl noch vor dem Ende des Krieges in Langenhagen -- also am Ort des Geschehens -- errichtet worden. Bald nach Kriegsende wurden sämtliche Symbole, die an die NS-Zeit erinnerten, beseitigt; die Inschrift wurde erneuert und ein christliches Kreuz angebracht. Mit der Ausdehnung Langenhagens musste das Denkmal an seiner ursprünglichen Stelle entfernt werden. Die Stadt Langenhagen nahm dies zum Anlass, im Jahr 1973 einen neuen Gedenkstein zu stiften, der im Frühjahr 1987 in der Nähe des Haupteingangs der neuen Pferderennbahn seinen endgültigen Standort bekam.*1)
    Abschrift eines Briefes im O-Ton

    Der Direktor der Lutherschule
    Städt. Oberschule f. Jungen, Hannover
    An der Lutherkirche 18
    Fernsprecher 27319
    ---
    Sprechstunde 11-12 außer Sbb.

    Hannover, den 29.09.1943

    An den Herrn
    Oberbürgermeister, Abt. Schulverwaltung,
    Hannover

    Ich erfülle die traurige Pflicht mitteilen zu müssen, dass die
    Schüler der Klasse 8 (Luftwaffenhelfer bei der Batterie Godshorn)
    Hermann Berner, Otto Borges, Hans-Jürgen Kalk, Horst-Günther Ude und
    Wolfgang Wittleder zusammen mit 8 Kameraden von der Bismarckschule
    bei dem Terrorangriff am 27.9. in Ausübung ihres Dienstes gefallen
    sind.
    Dazu: im Buch "Unter der Wolke des Todes leben..." heißt es zu diesem Ereignis u.a.:

    Das Höllenfeuer fallender Bomben dauert immer noch an. Splitter, Dreck und Funken fliegen über uns hinweg. Mein Gott, will das denn gar kein Ende nehmen? Wir spüren die Einschläge einiger besonders schwerer Bomben in nächster Nähe. Das muss in unserer Stellung gewesen sein! Dann das Kommando: "Alle Mann zum Löschen!"
    Ich laufe, soweit ich das wegen des Übermantels vermag, zu den Baracken. Wo die anderen bleiben, weiß ich im Moment nicht. Ich sehe, wie die Dora-Baracke zu brennen beginnt. Ich schließe mich einem Feuerlöschtrupp an. Doch es ist aussichtslos, den Brand löschen zu wollen. Da kommt schon wieder ein neuer Befehl: "Volltreffer in die B/I! Alle Mann dorthin zu Bergungsarbeiten!"
    An der B/I sieht es wüst aus. Mehrere schwere Bomben haben den Betonklotz in einen Trümmerhaufen verwandelt. An einigen Stellen steigt Rauch auf. Schreie Verwundeter dringen zu uns. An die Arbeit! Zuerst werden die oben liegenden Angehörigen der Bedienung des Kommandogeräts, die verwundet sind, geborgen. Sie werden auf den Acker gelegt und in Decken eingewickelt. Einige von ihnen sind schon tot. Die Leute vom FMG (=Funkmessgerät) sind verschüttet. Sie liegen nicht so tief und bald haben wir sie alle ausgebuddelt. Außer Busch, der tot ist, sind alle verwundet.
    Aber wo sind die Umwerter? Sie müssen noch unter den Trümmern liegen. Wir suchen und ziehen zunächst die grausig zerfetzten Körper der Vermittler heraus. Einer lebt noch. Es liegen noch einige Arme, Beine und ein Kopf herum. Und es gehören schon starke Nerven dazu, die übriggebliebenen Fleischstücke, Uniformfetzen und Glieder zum Sammelplatz zu bringen.
    (...)
    Gegen vier Uhr ist Appell statt. Der Chef ruft die Namen auf. Die Hälfte der Batterieangehörigen ist nicht da.
    Quellen

    - S. 282 *1) : "Hannoversche Geschichtsblätter : "...nicht umsonst gefallen" ? - Kriegsdenkmäler und Kriegstotenkult in Hannover", 1991
    - S. 136 ff. : "Unter der Wolke des Todes leben..."
    - S. 66 : "HAZ: Zwischen Angst und Alltag - Sommer 1943"

  2. #2
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    Am 15.06.1944 stirbt der am 13.01.1920 in Tachau geborene Weissmann, Joseph in der Flakstellung Findstellenweg im Rank eines Obergefreiten. (*1

    Am 20.06.1944 stirbt der am 05.02.1910 geborene Mohrhoff, Hermann in der Flakstellung Hermannstraße. (*1

    Am 11.09.1944 stirbt der am 11.08.1928 geborene Jansen, Hermann in der Flakstellung "Fußballplatz FC STERN Misburg". (*1

    Am 29.11.1944 sterben in einer Flakstellung in Kirchrode (3./165)
    - der Obergefreite Hof, Oskar geboren am 18.09.1901 in Nordhausen;
    - der Obergefreite Lessing
    - Obergefreite Cron
    - Kanonier Boldorf und zwei Russen.
    - Später im Lazarett verstirbt der Luftwaffenhelfer H. Heinemann. (*2

    Am 29.11.1944 sterben in der Flak-Großkampfbatterie Buchholz 8 Soldaten. Direkt daneben im Flakstützpunkt Buchholz sterben in einem Deckungsgraben 50 junge "Arbeitsmaiden" - Frauen aus ganz Deutschland im Alter von 17 bis 24 Jahren die zum Reichsarbeitsdienst einberufen worden waren - sollten als Flakhelferinnen erfasst werden. Außerdem sterben im Flakstützpunkt 3 Soldaten. Die Toten wurden in der Ehrenanlage auf dem Seelhorster Friedhof bestattet. Später wurden 18 Tote in ihre Heimatorte überführt. Auf dem Gedenksteinen in der Ehrenanlage auf dem Seelhorster Friedhof finden sich nur die Namen und das Todesjahr. (*3

    Am 31.12.1944 stirbt ein Soldat (ohne Namen) in der Flakstellung Blauer See in Misburg. (*1

    Quellenangaben:
    (*1 Siegfried Engelhardt : "5 Jahre im Hagel der Bomben" - S. 126-128
    (*2 Fritz Helberg-Oldenburg : "Eine Nacht ohne Alarm -- Tagebuch eines Flakhelfers 1944-1945" - S. 22-24
    (*3 Siegfried Engelhardt : "5 Jahre im Hagel der Bomben" - S. 90, 92 und 136f.
    und mit Hilfe Gräbersuche der Volksgräberführsorge

  3. #3
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    AW: Flakhelfer: gefallen in Ausübung ihres Dienstes

    [18.09.2012] Stadt Langenhagen -> Aktuell: Kranzniederlegung zum Falkhelfergedenktag an der Neuen Bult

    Zum Gedenken an die jungen Flakhelfer, die im zweiten Weltkrieg in der Langenhagener Flakstellung eingesetzt worden waren und dabei ihr Leben verloren haben, wird am Donnerstag, 27. September, der 1. stellvertretende Bürgermeister Willi Minne um 16.00 Uhr im Namen der Stadt Langenhagen am Gedenkstein auf dem Gelände der Pferderennbahn einen Kranz niederlegen.

    Zusammen mit Angehörigen wird an diesem Tag der jungen Opfer gedacht. Gäste und Interessierte sind bei dieser kleinen Zeremonie herzlich willkommen.



    Hintergrund zur Kranzniederlegung am Flakhelfer-Gedenktag


    Seit den 1950iger Jahren wird in Langenhagen am 27. September eines Jahres an die jugendlichen Soldaten gedacht, die während des Zweiten Weltkrieges als Helfer an einer Flugabwehrkanone (Flak) ihren Kriegsdienst leisten mussten und bei diesem Dienst um Leben kamen.

    Ab Anfang der 1940iger Jahre konnte der Bedarf an Soldaten nicht mehr durch männliche Erwachsene gedeckt werden. Nach der Rechnung, dass 100 Jugendliche etwa 70 Soldaten ersetzen könnten, wurde schließlich ein Kriegsdienst für männliche Jugendliche eingeführt. Eingezogen wurden zunächst Jungen der Jahrgänge 1926 bis 1928; später auch die der Jahrgänge 1929 und 1930.

    In Langenhagen wurden überwiegend Jungen aus Hannover als Flakhelfer eingesetzt. Sie waren in der Mehrheit Jahrgang 1926 und kamen von den Gymnasien Bismark- und Lutherschule. Wie viele Jugendliche bzw. junge Menschen innerhalb Langenhagens Kriegsdienst geleistet haben, ist nicht überliefert. Bekannt ist lediglich die Anzahl, die bei dem Beschuss der Langenhagener Stellung am 27. September 1943 ums Leben kamen. Es waren 13 Schüler. Außerdem starben an diesem Tag zwölf Soldaten.

    Zum Gedenken an diese jugendlichen Soldaten bauten Schüler, die den Angriff überlebt hatten, und Angehörige noch während des Krieges ein Denkmal. Dieser Gedenkstein wurde zweimal versetzt, bevor er an seinem heutigen Standort auf dem Gelände der Pferderennbahn aufgestellt wurde.

    Seit dem Krieg bis in die Gegenwart treffen sich Klassenangehörige, Geschwister und Interessierte an diesem Denkmal, um sich am Flakhelfer-Gedenktag gemeinsam zu erinnern. Solange Langenhagen Garnisonsstandort war, beteiligten sich ebenfalls Vertreter der Bundeswehr an der kleinen Zeremonie.

    Quellen

    Stadt Langenhagen #1 : click mich
    Stadt Langenhagen #2 : click mich

  4. #4
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    AW: Flakhelfer: gefallen in Ausübung ihres Dienstes

    Morgen, am 27. September 2013 wird in Hannover-Langenhagen an den Luftangriff auf die Flakstellung Reuterdamm/Langenhagen erinnert, bei dem 11 Lw Soldaten und 13 Lw Helfer den Tod fanden.

    Der eigentlich Angriff galt der Stadt Hannover. Um 21:59 Uhr wird in Hannover der 422. Fliegeralarm ausgelöst. Genau 12 Minuten später, um 22:11 Uhr fallen die ersten Bomben. In der Folgezeit werfen 572 Bomber 2387t ihrer Bombenfracht über Hannover ab. Durch den Luftangriff sterben 196 Menschen. Erst um 00:41 Uhr gibt es Entwarnung.

    In Hannover-Langenhagen, in der Flakstellung am Reuterdamm (heute: Neue Bult, Pferderennbahn) sterben 11 Soldaten der Luftwaffe, sowie 13 Schüler aus Hannoverschen Oberschulen, die ihren Dienst in der Flakstellung als "Luftwaffen Helfer" vollrichteten.

    Ein Augenzeuge berichtet in seinem privaten Tagebuch, wie Überreste seiner toten "Kameraden" auf- bzw. zusammen gesammelt wurden, und wie man versuchte Körperteile den Vermisten Soldaten und LwHelfern zuzuordnen.

    Ein Teil dieser privaten Tagebuchaufzeichnung aus dem Jahr 1943 wurde anonymisiert und gekürzt im Buch "Unter der Wolke des Todes Leben..." (ISBN: 3-921909-17-1; Ernst Kabel Verlag; Hamburg 1983) wiedergegeben.

    Hier ein Auszug der Ereignisse in der Flakstellung (ungekürzt):

    "Es war kurz vor 22 Uhr, als die Alarmglocke schrillte und uns aus dem Schlaf riß. Minuten später saßen wir, in Übermantel und Stahlhelm, an den Geschützen und überprüften die Feuerbereitschaft. Einige Wellen feindlicher Flugzeuge waren gemeldet worden. Eigene Jäger kurvten in der Luft herum, wurden von den Scheinwerfern aufgefaßt und schossen dann ES (Erkennnungssignal).
    >Rohre Richtung 9!<
    Na, das kann vielleicht was geben. Die ersten Feindflugzeuge nähern sich auch schon. >Fliegeralarm, Flugzeug 9!<
    Die Motoren surren auf, im Nu ist die Kanone abgedeckt.
    >Dauerfeuer!!<
    Rums - der erste Schuss saust los. Dann wieder das Klirren der Ladeschale, ein Ruck, eine Sekunde nichts, dann der zweite Schuss.
    >Feuer einstellen!<
    Die feindliche Maschine ist außer Wirkungsbereich. Wir sehen noch, wie sie in weiter Ferne Phosphor abregnet. Sollte das für heute schon alles sein? Es würde unserer Schießbegeisterung nicht passen. Eine Viertelstunde vergeht. Plötzlich werden neue Maschinen gemeldet, sie sind schon ziemlich nahe. Die Geschütze decken ab, die ersten Schüsse fallen, Da - was ist das? Taghell wird der Himmel. Leuchtkaskaden, "Tannenbäume", schweben in der Luft, - grüne, weiße, rote. Es ist ein phantastisches Bild. Aber wir wissen: jetzt ist ein Angriff auf Hannover fällig. Es ist genauso wie am letzten Mittwoch (2. September 1943), beim letzten Angriff. Eine neue Patrone wird ins Rohr der "Berta" eingeführt. Stille; der Schuss bricht nicht. Versager? Dusseliges Gefühl. Wir warten 2 Minuten, das Rohr auf 30 Grad gestellt. Der Schuss geht nicht los. Dann Verschluss aufgerissen, Patrone raus und - da scharf - vor der Umwallung lagern. Der nächste Schuss geht auch nicht. Was ist das denn nur? Aha, da haben wir den Fehler: die Abfeuerung ist nicht in Ordnung. Also: Notabfeuerung einrichten. Aber da klappt doch immer noch was nicht? Der K3 kriegt die Notabfeuerung nicht zurecht.
    >Berta fällt aus!<
    ...gibt der Geschützführer zu B1 durch. So eine verfluchte Sauerei!
    Die anderen Geschütze feuern wie wild, und wir müssen zugucken! Und dabei sind etliche Flugzeuge von den Scheinwerfern aufgefasst und bieten herrliche Ziele!
    Wir stellen fest, dass das Flakfeuer nicht schlecht liegt. Auch die Jäger beharken die feindlichen Flugzeuge, man kann die Leuchtspur gut verfolgen.
    Da - sssst - bumm! Au, die Bombe war verflucht nahe. Noch eine. Unwillkürlich zuckt man zusammen und duckt sich. Bombe um Bombe prasselt jetzt herunter.
    >Abfeuerung wieder in Ordnung!<
    Gottseidank, wir atmen auf und schießen wieder. Die Brandbomben haben sich inzwischen entwickelt. Sie sprühen hellauflodernd zum Himmel. Hunderte von Ihnen müssen in unserer Stellung liegen, und immer neue hageln nieder. Wir müssen uns gewaltig zusammenreißen, alles das darf uns nicht kümmern. Ein Gedanke beherrscht uns: abdecken, schießen!
    Da geht der Strom aus. Eine Bombe hat wohl die Kabelleitung zum Maschinensatz unterbrochen.
    Geschütze auf Handbetrieb umstellen! Ist das eine Arbeit, mit der Hand abzudecken.
    >Sperrfeuer mit Umwertung!<
    Aber wir kriegen keine Munition mehr ran. Die Russen mache nicht mehr mit. Da sind nur noch K3, K7 und K9 zum Munitionstragen da. Sie müssen auch noch mit dem Ansetzerseil ziehen, damit die Patrone ins Rohr geführt wird. Immerhin bekommen wir auf diese freilich sehr mühevolle Art noch 5 Schuss heraus. Unser Geschütz ist das letzte der Batterie, das noch schießt.
    Aber es hat keinen Zweck mehr. Wir haben auch keine Werte mehr und müssten höchstens frei nach Schnauze schießen. Das Höllenkonzert fallender Bomben dauert immer noch an. Gerade saust wieder eine dicht neben unserem Stand nieder. Wir werfen uns auf den Boden, werden im wahrsten Sinne des Wortes flach wie Briefmarken.
    Splitter, Dreck und Funken fliegen über uns hinweg. Mein Gott, will das denn gar kein Ende mehr nehmen? Es ist wie eine Ewigkeit. Wir stürzen in den Bereitschaftsbunker. Wir spüren die Einschläge einiger besonders schwerer Bomben in nächster Nähe. Das muss in unserer Stellung gewesen sein!
    Dann das Kommando:
    >Alle Mann zum Löschen!<
    Ich laufe, soweit ich es wegen des Übermantels vermag, zu den Baracken. Wo die anderen bleiben, weiß ich im Augenblick nicht. Ich sehe, wie die Dora-Baracke gerade anfängt zu brennen. Schnell! Eine Sandtüte und eine Kanne Wasser rausgeschleppt, den Sand auf die Brandbombe geschüttet und das Feuer mit dem Spaten ausgeschlagen. So die wäre erledigt. Noch einige andere Brandbomben müssen dran glauben.
    Die Baracke von Anton steht bereits in hellen Flammen. Jetzt sehe ich, wie einige nach den hinteren Baracken laufen, von denen einige auch bereits in Brand sind. Ich schließe mich einem Feuerlöschtrupp an. Es ist aussichtslos, den Brand löschen zu wollen.
    Da kommt schon wieder ein neuer Befehl:
    >Volltreffer in die B/I! Alle Mann dorthin zu Bergungsarbeiten!<
    An der B/I sieht es wüst aus. Mehrere schwere Bomben verwandelten diesen Betonklotz in einen riesigen Trümmerhaufen. An einigen Stellen steigt Rauch auf. Schreie Verwundeter dringen zu uns. An die Arbeit! Zuerst werden die oben liegenden Angehörigen der Kommandogerät-Bedienung, die verwundet sind, geborgen. Sie werden auf einen Acker gelegt und in Decken eingewickelt. Einige von ihnen sind schon tot. Die Leute vom FuMG sind verschüttet. Sie liegen nicht so tief, und bald haben wir sie alle ausgebuddelt. Außer B., der tot ist, sind alle verwundet. Aber wo sind die Umwerter? Sie müssen noch unter den Trümmern liegen. Wir suchen und ziehen zunächst die grausig zerfetzten Körper der Vermittler hervor. Einer lebt noch. Es liegen noch einige Arme, Beine und ein Kopf herum. Von den Umwertern finden wir später nur noch klägliche Überreste. Durch die Gewalt der detonierten Bomben wurden sie etwa 200m weit weggeschleudert, 12 LwH und ein Obergefreiter. Es gehören schon starke Nerven dazu, die übrig gebliebenen Fleischstücke, Uniformfetzen und Glieder zum Sammelplatz zu bringen.
    Ich werde diese Augenblicke nie vergessen. Inzwischen sind die feindlichen Flugzeuge, die noch einige Male im Tiefflug über unsere Stellung brausten, wieder abgeflogen, und von ferne dringt der Ton der Entwarnung an unser Ohr. Es ist von den Bränden immer noch taghell; trotzdem kann man vor Qualm kaum was sehen. Ein paar Mädchen vom Reuterdamm verteilen heißen Kaffee. Der tut gut bei dem Dreck, Rauch, der Hitze und dem zum Erbrechen reizenden Gestank. Einige LKWs holen Verwundete ab. Es folgen Augenblicke des Verschnaufens. Ich sehe mal nach unserer Baracke. Sie steht noch, aber wie! Bei jedem Ruck kann sie umfallen. Die Brände in der Stellung sind inzwischen verloschen. Die Häuser an der Straße brennen noch, auch der Geschützbunker von "EMIL". Ich renne hin, steige aufs Dach und werfe mit dem Spaten Grassoden durch den Fensterschacht. Es nutzt aber nichts. Im Bunker sind volle und leere Munitionskisten aufgestapelt, die allmählich in Brand geraten. Da hilft alles nichts, man muss in den brennenden Bunker rein und die Kisten rauswerfen. Dann werden mit dem Einreißhaken Decke, Balken und Türen eingerissen und die Feuerspritze in die Flammen gehalten. Nach vieler Mühe ist das Feuer aus, das Geschütz vor der Vernichtung bewahrt.
    Gegen vier Uhr findet in der Kantine ein Appell statt. Der Chef ruft die Namen auf. Die Hälfte der Batterieangehörigen ist nicht da, verwundet, gefallen. Kurz vor 5 Uhr kehren wir in unsere Baracke zurück. Die "ausgebombten" kommen in anderen Baracken unter. Licht gibt es selbstverständlich nicht. Übermüdet werfen wir uns auf die Betten oder auf den Boden.

    Das war es, was in dieser Nacht geschehen war. Die Flakbatterie 2./185 ist schwer mitgenommen worden. (...) Am Morgen kommt General Wolff (aus Hamburg) und sieht sich alles an. Er spricht den überlebenden Soldaten und Luftwaffenhelfern seine Anerkennung aus. 13 Lw-Helfer und 11 Lw-Soldaten sind tot, 2 Lw-Helfer und 14 Lw Soldaten verwundet.
    Von der nachfolgenden Flak-Batterie wurde 1944 eine Gedenkstätte, in einem Ehrenhain errichtet. Die Namen der Gefallenen Lw Soldaten und Helfer standen auf einer Tafel, und auf dem Ehrenkreuz darüber die Worte: "An dieser Stelle fielen für Volk und Vaterland bei dem Fliegerangriff am 27./28.September 1943".

    Dieser wurde nach Kriegsende wieder abgetragen, und der neue Gedenkstein um das Jahr 1970 aufgestellt. Der heutige Text auf dem Gedenkstein entstand im Zusammenwirken mit der Stadt Langenhagen, Eltern der Gefallenen und der überlebenden Luftwaffenhelfer.

    Heute heißt es auf dem Gedenkstein schlicht: "Im Gedenken an die hier gefallenen Soldaten und Luftwaffenhelfer."

    In einer Ansprache eines ehemaligen Luftwaffenhelfers im Jahre 2011 heißt es dazu: "Der Textvergleich dokumentiert den fundamentalen Wandel unseres Bewußtseins, was auf höherer Ebene auch darin zum Ausdruck kommt, dass der >Helfengedenktag< in >Volkstrauertag< umbenannt wurde. Dahinter steckt die Einsicht, dass wir nicht für eine gute und gerechte, für eine ehrenvolle Sache gekämpft haben, sondern von einem totalitären Herrschaftssystem mißbraucht worden sind."
    Geendet hat die Ansprache mit dem Satz: "Wenn sich in uns als den Überlebenden und Nachlebenden des 27. September 1943 der Überzeugung von Unantastbarkeit der Würde jedes einzelnen Menschen fundamentiert hat, dann werden wir der Verpflichtung gerecht, die der schreckliche und sinnlose Tod unserer Kameraden uns auferlegt hat."

    Mit diesem Satz möchte auch ich zum Schluss kommen...

    Ich möchte anmerken, das ich diesen Text aus drei unterschiedlichen Quellen zusammengeschrieben habe. Der Text wird hier nicht im Original wiedergegeben. Sämtliche Namen sind aus Gründen der Privatsphäre und auf Wunsch einiger noch lebender ehem. Lw-Helfer entfernt. Die Namen der Toten sind ebenfalls nicht aufgeführt.

    Meine Gründe sind die folgenden: Die Stadt Langenhagen lädt jedes Jahr auf ihrer Stadteigenen Webseite zu diesem Tag zu dem Gedenkstein ein. Die Geschichte darüber, was genau an diesem Tag dort passiert ist, wird jedoch nur wenigen Sätzen wiedergegeben. Sinngemäß: 13 Flakhelfer und 12 Soldaten fanden den Tod in der Flakstellung. Punkt.

    Erinnern heißt - meiner Meinung auch - den Moment, an den gedacht/erinnert wird, in Erinnerung zu behalten. Dies funktioniert "meiner Meinung nach" nur, wenn man sich auch an die Geschichte erinnern kann. Sprich: man weiß was und wie es dort zum Tode der 24 Menschen kam. Und aus diesem Grund hab ich aus meinem Archiv bereits im vergangenen Jahr, mit Rücksprache mit einem Zeitzeugen, diesen Text niedergeschrieben. Es handelt sich dabei in weiten Teilen um eine Abschrift aus einer privaten Niederschrift aus dem Jahre 1943.

    Das Thema wurde in der Vergangenheit schon sehr unterschiedlich behandelt...

    Im Buch "Unter der Wolke des Todes Leben..." (ISBN: 3-921909-17-1; Ernst Kabel Verlag; Hamburg 1983) wurde die Geschichte vor 30 Jahren deutlich gekürzt und anonymisiert ab Seite 136 wiedergegeben. 1991 wurde im Sonderband "Hannoversche Geschichtsblätter" zum Thema "...nicht umsonst gefallen"? Kriegsdenkmäler und Totenkult in Hannover auf Seite 282 davon berichtet, das bald nach Kriegsende sämtliche Symbole die an die NS-Zeit erinnerten, beseitigt wurden. Die Inschrift wurde erneuert und ein christliches Kreuz angebracht.
    Weiter heißt es dort, das mit der Ausdehnung Langenhagens das Denkmal an seiner ursprünglichen Stelle entfernt werden musste, und dies zum Anlass genommen wurde, 1973 einen neuen Gedenkstein zu stiften, der im Frühjahr 1987 in der Nähe des Haupteingangs der neuen Pferderennbahn seinen endgültigen Standort bekam.

    Wenn ich mich nicht irre, dann erfolgte kurz nach erscheinen des Buchs noch ein weiterer Standortwechsel zum heutigen Standort. 100%ig Sicher bin ich mir jedoch nicht...!

    Im Stadtarchiv von Langenhagen existiert ein etwa 6-Seitiger Text der die Stellung anhand schlechter Luftbildaufnahmen beschreibt und darstellt. Letztendlich kann ich mich nur bei der Gruppe noch lebender Lw Helfer bedanken, die mir immer mal wieder Antworten zu meinen Fragen u.a. zu diesem Ereignis liefern.

    Morgen, am 27.09.2013 legt der 1. Stellvertretende Bürgermeister der Stadt Langenhagen, Willi Minne, im Namen der Stadt Langenhagen am Gedenkstein der "Flakhelfer" um 16 Uhr einen Kranz nieder. Interessierte sind herzlich willkommen...!

  5. #5
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    AW: Flakhelfer: gefallen in Ausübung ihres Dienstes

    Tafel vom alten Gedenkstein (aus dem Krieg)

    "An dieser Stelle fielen für Volk und Vaterland
    bei einem Fliegerangriff am 27.-28.September 1943"

    Ernst Malbricht
    Mathias Bauer
    Walter Neuhaus
    Josef Pöhl
    Felix Geisberger
    Anton Günther
    Alois Hachmüller
    Anton Hofrichter
    Max Klein
    Wilhelm Wagner
    Adolf Schnobl

    Hinweis: für die hier aufgeführten Namen wird von mir keine Gewähr übernommen, das diese stimmen. Ich habe versucht mit Hilfe einer Lupe, die Daten von einem "gedruckten" Foto abzulesen. Die Qualität ist eher schlecht. Und das vorliegende Foto viel zu klein. Aber vielleicht kann jemand helfen?

    Quelle: Die gedruckte "Ansprache von Prof. Dr. Wolfgang Marienfeld (+) anlässlich der Gedenkfeier mit Kranzniederlegung am 27.09.2011 für die in der Flakstellung Langenhagen gefallenen Soldaten und Luftwaffenhelfer.", 8 Seiten.
    Geändert von niemandsland (11.11.2014 um 15:17 Uhr)

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