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Thema: Entwurf -> [2.WK] Scheinanlagen und sonstige Schutzmassnahmen in und um Hannover

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    Gast Avatar von niemandsland
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    Entwurf -> [2.WK] Scheinanlagen und sonstige Schutzmassnahmen in und um Hannover

    Scheinanlagen und sonstige Schutzmassnahmen in und um Hannover


    - der Versuch einer Auflistung

    Scheinanlagen


    Ihr Zweck war, den feindlichen Bomberverbänden der Alliierten (USAF/RAF) die gesuchten Angriffziele nur vorzutäuschen und die Angriffe auf sich zu ziehen, und auf diese Weise die eigentlichen Zielobjekte zu schützen.

    "Hampe" führt dazu aus: "Man verprach sich von ihnen nicht mit Unrecht eine gute Wirkung dadurch, daß angreifenden Fliegern bei der durch die Tarnung und Verdunklung der Objekte erschwerten Zielsuche der Eindruck des vermeintlich richtigen oder eines sonst lohnenden Zieles willkommener Anlaß sein würde, ihre Bomben zu werfen und abzulenken, zumal wenn sie durch Flakbeschuss oder Jägerabwehr bedrängt wurden." ^1

    Scheinanlagen wurden nach rein militärischen und taktischen Gesichtspunkten geplant, von Luftwaffendienststellen eingerichtet und mit Soldaten besetzt. Dabei wurde versucht, einen Sicherheitsabstand von mindestens einen Kilometer in alle Himmelsrichtungen einzuhalten. Nach Möglichkeit wurden die Scheinanlagen in der Nähe von Flakstellungen oder zumindest in deren Wirkungsbereich errichtet. Auch die Nähe zu Flugplätzen war gern gesehen. Dies geschah zum einen aus militärischen und wirtschaftlichen Gründen, da sie hier leichter zu Betreuen waren, und zum anderen sollten die feindlichen Flugzeuge in die Nähe der aktiven Luftverteidigung (Flak/Fliegerhorst) gelockt werden.

    In Hannover kamen sowohl Tagesscheinanlagen, wie auch Nachtscheinanlagen zum Einsatz.



    Industrie

    -- Misburg

    Firma: DEURAG / NERAG (Ölerzeugnisse)

    Tagesscheinanlage der DEURAG/NERAG


    Die Tanks auf dem Werksgelände wurden umbaut und erhielten Dächer. Es entstand dabei der Eindruck, das es sich hierbei um Wohnhäuser handelnte, und nicht um eine Raffinerie. Darüber hinaus sollen einige Werksgebäude durch Anstrich und vergleichbare Massnahmen getarnt worden sein.

    Außerdem wurde der "Stichkanal Misburg" von der Einmündung vom Mittellandkanal bis zum Ende mit Holz abgedeckt.

    Nachtscheinanlage der DEURAG/NERAG ["Privatquartier"]


    Im Senkbruch, auf den "Ahltener Wiesen" etwa 1,5 km Luftlinie von der Deurag-Nerag entfernt, wurde eine Nachtscheinanlage errichtet. Hierbei handelte es sich um den kompletten Nachbau (oder einen großen Teil) der Werkanlagen auf einem Acker.
    Es wurden künstliche Zielmarkierungen über der Anlage gesetzt, die denen der "Pathfinder" sehr ähnlich waren.

    Siegfried Engelhardt nennt Einzelheiten über die Anlage: "Diese Anlage, Kodebezeichnung "Privatquartier", wurde von Soldaten der Luftwaffe betreut. Diese hatten die Aufgabe, bei Angriffsversuchen auf Misburg dort Feuer zu entfachen, um die angreifenden Flugzeuge auf diese Weise vom eigentlichen Ziel (die "DEURAG/NERAG") abzulenken." ^3

    Die Soldaten, die diese Anlage "betreuten" mussten während der Angriffe in einem "Erdbunker" etwa 500 m von der Scheinanlage entfernt, Schutz suchen. Hierbei dürfte es sich um einen einfachen Deckungsgraben für ca. 50 Personen gehandelt haben. Eine Baracke die für Wohnzwecke gedacht war, tauften die Soldaten "Villa Lockvogel".

    Auf späteren Einsatzkarten der Alliierten (etwa ab 1943) war die Tagesscheinanlage der DEURAG/NERAG mit "Camouflage" gekennzeichnet. ^2

    Sonstige Schutzmassnahmen


    In und um Hannover-Misburg wurde die DEURAG/NERAG mit Hilfe von sogenannten "Nebelfässern" durch künstlichen Nebel geschützt. Die "Nebelfässer" enthalten "Nebelsäure".

    Dazu heisst es auf Wikipedia: Nebelsäure ist meist die Bezeichnung für ein Stoffgemisch, das mit einem Mischungsverhältnis von 60:40 oder 50:50 aus Chlorsulfonsäure und Schwefeltrioxid besteht. Beide Stoffe sind stark hygroskopisch und erzeugen deshalb an feuchter Luft dichten, weißen Nebel, wobei die aggressive Salz- und Schwefelsäure entstehen. ^4

    Teile der Firma wurden im späteren Verlauf des Krieges verlagert, so z.B. nach Anderten, nach Linden, Dedenhausen, und in Richtung Porta (Dachs I).


    Stadt Hannover

    Hauptbahnhof Hannover


    Auf dem Dach des Hauptbahnhofs war noch am 04.10.1943 eine Straßenkreuzung bzw. Verzweigung zu erkennen. Diese Scheinanlage wurde erst mit dem gezielten Angriff auf den Hauptbahnhof Hannover zuerstört. Bisher konnte ich keinen Hinweis finden, dass das Dach, das links vor dem Hauptbahnhof Hannover verlängert wurde, primär nur dieser Maßnahme diente. Also der Illusion, das hier ein Straßenkreuz bestand.


    Ein Alliiertes Luftbild verdeutlicht diese Scheinanlage. ^6

    Der Maschsee


    Der Maschsee galt und gilt für Hannover, wie auch der Herrenhäusener Garten als das Erkennungssymbol. Während des Krieges wurde der künstlich erschaffene See stellenweise mit Holz abgedeckt. Der Damm (heute: "Ohedamm") der alten Bahnstrecke wurde über den See verlängert, und auf dem See wurden aus Holz FLAK-Attrappen errichtet.


    Auf späteren Einsatzkarten der Alliierten (etwa ab 1943) war der Maschsee mit "Camouflage" gekennzeichnet. ^2

    Militär

    In Hannover Stadt/Region soll es mehrere Scheinflughäfen, überwiegend als Tagesscheinanlagen errichtet, gegeben haben. Nähere Informationen über die Standorte sind bisher nicht bekannt.

    -----

    ^1 vgl. Quelle (1) S. 559 ff. "Scheinanlagen"

    ^2 vgl. Quelle (2) S. 61 "Britische Orientierungskarte für Bomberbesatzungen"

    ^3 vgl. Quelle (3) S. 24 "Scheinanlage >> Privatquartier <<"

    ^4 vgl. Quelle (4) " Nebelsäure"

    ^5 vgl. Quelle (5) : "Nebelabteilungen" : zur Ausrüstung (3. Beitrag im Thread)

    ^6 vgl. Quelle (6) : "Luftbild" : 006-023-004-591-C :: Hanover, Germany, Sortie E/0313, Frame 4089 vom 04.10.1943.

    Zitat: "Der Umgang mit der Nebelsäure machte die Ausstattung der Bedienungsmannschaften mit ei-ner besonderen Schutzbekleidung erforderlich: die Abteilungsangehörigen erhielten zusätzlich Gummimäntel, Gummistiefel, Lederjacken und Lederhosen. Die bei der Truppe so verpöhnte Gasmaske wurde einer der wichtigsten Ausrüstungsgegenstände eines jeden „Kanoniers“."


    Quelle(n)

    (1) "Der Zivile Luftschutz im Zweiten Weltkrieg, Dokumentation und Erfahrungsberichte über Aufbau und Einsatz", Autor Erich Hampe, 627 S., Verlag Bernard & Graefe, 1963, ISBN o.A.

    (2) "Unter der Wolke des Todes leben...", Autor(en) Grabe/Hollmann/Mlynek/Radtke, S. 216, Verlag Ernst Kabel, 1983, ISBN 3921909171

    (3) "5 Jahre im Hagel der Bomben, Die Chronik der Luftangriffe auf Misburg 1940 bis 1950", Autor Siegfried Engelhardt, 167 S., Eigentverlag, 1994, ISBN o.A.

    (4) Wikipedia, die freie Enzyklopädie, link: http://de.wikipedia.org/

    (5) Lexikon der Wehrmacht:Forum, Thread über "Nebelfässer": link: http://www.lexikon-der-wehrmacht.de/

    (6) © RCAHMS. Licensor aerial.rcahms.gov.uk :: Link: http://aerial.rcahms.gov.uk/database...hdb=tara_scran

  2. #2
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    G-2 PERIODIC REPORT (24 Stunden) vom 10.04.1945 21h bis 11.04.1945 21h
    Hqs 84 Inf Div., APO 84, U.S. Army, 120100B, April 45

    Quelle: US National Archiv, Washington -> erhalten vom Historiker der 486 BG(h)

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    Code:
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    *      Secret     *                         To  : 112100
    * Auth: CG 84 Div *
    * Date: 12 Apr 45 *                         Hqs 84 Inf Div
    * Init: DWC       *                         APO 84, U.S. Army
    *******************                         120100B, April 45
    
    Copy No. '56
    
    No. 146
    
    Maps: 1/100,000 Sheets P2, P3, N3 and N4;
          1/250,000 Sheets K50, K51, K52, K53, L50, L51, L52 and L53.
    
    1. ENEMY SITUATION AT END OF PERIOD.
    
           Units In Contact.
    
           See Annex #2, IPW Report
    S E C R E T
    - - - - - -

    Annex #2 to Periodic Report Continued

    Two units of at least interest value were uncovered totday. One was the Heimat Lw Nebel Co 46, whose job it ordinarily was to generate artificial smoke around the oil refinery in MIESSBURG in case of air raids. When we approached HANNOVER the Co's 50 year olds were suddenly alerted and told to get ready to fight. But much of their relief no further orders came. The second unit was the 701st Home Guard Bn which operated a dummy plant about a mile away from the actual MIESSBURG oil refinery. Their Job was to maintain the various props used to create the illusion.
    When first wave planes arrived and marked real rafinery with incendiary or smoke markers, their job was to create similar markers around the dummy plant so as to deceive succeeding bomber waves. The trick worked for a while and a good tonnage of bombs was wasted, but eventually the real plant was hit. This unit also was alerted for the defense of HANNOVER, but also was happily forgotten in the mess. Today they all are the happy guests of the 84th.
    ---
    Heimat Lw Nebel Co 46 = Heimat Lw Nebel Kompanie 46 (Heim. Neb. Ko. 46)
    701st Home Guard Bn = 701. Volkssturm Bataillon

    -- Quelle

    Über Volkssturm: Lexikon der Wehrmacht: Volkssturm

    Über Einheit: Abkürzungsverzeichnis der Wehrmacht

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