Die Metallindustrie.
Unter „Metallindustrie” werden alle diejenigen Industrien in der begrifflichen Abgrenzung verstanden, bei denen Metalle gewonnen oder als die hauptsächlichsten Rohstoffe verarbeitet werden. Der Standort der wichtigsten Betriebe der Metallindustrie liegt in den großstadtnahen Gemeinden des Kreises mit den Schwerpunkten in Langenhagen und Laatzen. Die Metallindustrie setzt stärkste Bevölkerungskonzentration voraus. Die Metallgewinnung oder -verarbeitung erfolgt zumeist in Groß-betrieben bzw. größeren Mittelbetrieben, so daß hierfür eine größere Anzahl von Fachkräften erforderlich ist. Die Metallindustrie hat sich überwiegend an Agglomerationspunkten anderer Industrien
gebildet, um die sogenannten Fühlungsvorteile zu den Abnehmern ausnutzen zu können und gleich zeitig verkehrsmäßig günstig gelegen zu sein.
Diese nur angedeuteten Standortfaktoren sind auch die Gründe für die Standortwahl der Metallindustrie des Landkreises Hannover: Die Verflechtungen'mit der Großstadt Hannover sind seit dem .Entstehen- der Metallindustrie sehr eng. Die Bedeutung der Metallindustrie hat daher auch mit der Zerstörung der Stadt Hannover — abgesehen von anderen, allgemein bekannten Gründen — wesentlich abgenommen. Trotzdem heute ein nicht unwesentlicher. Teil der stadtnahen Betriebsanlagen durch Kriegseinwirkungen zerstört sind, arbeiten die übrigen- Betriebe gegenwärtig nur mit einem Teil der noch vorhandenen Kapazitäten.
Der überwiegende Teil des Roheisens für die Metallindustrie des Kreises wird aus dem westlichen Industriegebiet, vor allem aus dem Ruhrrevier, bezogen; als Lieferant für Wälz- und Blockmaterial wurde auch die Ilseder Hütte genannt.
Der Absatz der Metallindustrie des Landkreises Hannover ist überwiegend auf die Großstadt Hannover orientiert. Darüber hinaus bleibt ein wesentlicher Teil der Produktion im Lande Niedersachsen, mit bevorzugter Absatzrichtung zum Süden und Südosten des Wirtschaftsgebietes, besonders als Rohstoff. und Halbzeuglieferungen für die dortige Fertigungsindustrie. Die erwähnten Spezialerzeugnisse, die teilweise sogar einen Weltnamen besitzen, werden weit über die Grenzen des Wirtschaftsraumes Niedersachsen abgesetzt. Es dürfte zu hoffen sein, daß in Zukunft wieder ein Teil dieser Produktion im Exportgeschäft untergebracht werden kann.
Nach der Betriebszählung vom 17. Mai 1939 waren über 10 000 Beschäftigte, das sind 40,5 Prozent der erwerbstätigen Personen des Landkreises Hannover, in der Metallindustrie tätig. Die entsprechenden Zahlen für 1933 betrugen 2200 bzw. 20 Prozent; gegenwärtig dürfte etwa wieder der Stand von 1933 erreicht sein.
Quelle:
Titel: Der Landkreis Hannover, Handbuch für Verwaltung, Wirtschaft und Kultur.
Herausgeber: Akademie für Raumforschung und Landesplanung sowie Amt für Landeskunde
Verlag: Walter Dorn Verlag Bremen-Horn
Datum: Dezember 1948
Beitrag von htim