Zwangsarbeit in Hannover


Vortrag im Sprengelmuseum Hannover
von Professor Claus Füllberg-Stollberg, Universität Hannover
am 8.05.2000 in Hannover


Sehr verehrte Ehrengäste, die Sie aus allen Teilen Europas nach Hannover gekommen sind, diesmal freiwillig und auf Einladung der Stadt, Herr Oberbürgermeister, meine Damen und Herren — ich bin gebeten worden, Ihnen einen Vortrag über das Ausmaß der Zwangsarbeit in Hannover während des 2. Weltkrieges zu halten. Ich tue dies als Leiter eines Forschungsprojekts der Universität zu diesem Thema, bin mir aber bewußt, daß Sie, verehrte Gäste, dies sehr viel kompetenter und authentischer aus der Sicht der Betroffenen tun könnten. Dies soll auch geschehen, nämlich am kommenden Mittwoch in einer Veranstaltung im Lessingsaal der Vokshochschule.

Deshalb erwarten Sie von mir an dieser Stelle nur einen Überblick über die Geschehnisse aus der Distanz der von uns gesammelten Quellen — und aus der Sicht des nach dem Kriege geborenen.

Der Vortrag wird visuell hinterlegt mit kurzen zeitgenössischen Filmen und Bildern, die wir im Zuge unserer wissenschaftlichen Recherchen in verschiedensten Archiven der Welt und in privaten Beständen gefunden haben.

Als sich amerikanische Truppen im April 1945 von Westen her dem Stadtrand Hannovers nähern, machen sie im Vorort Ahlem eine grausige Entdeckung:

In der Nähe einer Asphaltgrube, in der unterirdische Anlagen installiert waren, stießen sie auf ein mit einem geladenem Elektrozaun gesichertes Barackenlager, in dem nur noch wenige halb verhungerte und kranke Insassen neben ihren zu Tode geschundenen Kameraden dahinvegetieren. Eine Signal-Corps Einheit der US-Army dokumentiert diesen Zustand des Lagers unmittelbar nach der Befreiung in einem kurzen Film und auf Fotographien, die im amerikanischen Nationalarchiv verwahrt werden. Deshalb können wir uns heute einen sehr genauen Eindruck von den dort vorgefundenen Lagerbedingungen am Ende des Krieges machen.

Die Amerikaner schicken sofort Rote-Kreuz-Wagen, deren Besatzung sich um die Ernährung und ärztliche Versorgung der Opfer kümmern. Die alliierten Soldaten erfahren, daß nur die Kranken und Toten im Lager zurückgeblieben waren, die Mehrzahl der noch Transportfähigen jedoch von den Wachmannschaften unter Zwang in Marsch gesetzt worden war. Viele von ihnen wurden unterwegs erschossen, wenn sie nicht mehr weiter konnten, oder endeten in Bergen-Belsen, dem Evakuierungsziel fast aller KZ-Außenlager im norddeutschen Raum. Die schrecklichen Bilder von der Befreiung Bergen-Belsens gingen als Symbol für die Nazigreuel um die ganze Welt.

Das Lager in Ahlem, in dem polnische Juden aus dem Ghetto Lodz zur Arbeit gezwungen wurden, blieb nicht das einzige, das die alliierten Truppen im Raum Hannover entdeckten. Es gehörte zu insgesamt sechs Konzentrationslagern, die als Außenkommandos dem nächstgelegenen Stammlager, Neuengamme bei Hamburg, administrativ unterstellt, aber jeweils einem hannoverschen Industriebetrieb angegliedert waren. Dazu gehörten hannoversche Traditionsbetriebe mit klingenden Namen: An erster Stelle sind zu nennen der Akku bzw.Batterieproduzent Varta und der Reifenhersteller Continental.

[Im Stadtteil Stöcken wurde bereits am 19. Juli 1943 ein Konzentrationslager bei der Firma Akkumulatorenfabrik (AFA, heute Varta) errichtet, wo Batterien für U-Boote und Torpedos produziert wurden.

Weitere KZ-Außenlager kamen im Jahre 1944 hinzu: das bereits erwähnte in Ahlem, wo Häftlinge für die Produktion der Continental Gummi-Werke (Conti) und der Maschinenfabrik Niedersachsen Hannover (MNH) frühere Asphaltgruben ausbauten, und in Limmer, wo weibliche Häftlinge für die Conti Gasmasken herstellten.

Zwei andere Lager entstanden in damals noch selbständigen Gemeinden nahe bei Hannover: In Langenhagen wurden weibliche Häftlinge in der Flugzeugreparatur bei den Brinker Eisenwerken eingesetzt,

und in Misburg leisteten die Häftlinge nach Luftangriffen Aufräumungs- und Reparaturarbeiten auf dem Gelände der Erdölraffinerie Deurag-Nerag.

Schließlich wurde 1945 in Hannover-Linden noch ein KZ in einem Teil der Baracken des Zwangsarbeiterlagers auf dem Mühlenberg eingerichtet. Hier handelte es sich um Häftlinge des Konzentrationslagers Auschwitz, die ursprünglich im Außenlager Laurahütte bei der Firma Oberschlesische Gerätebau GmbH, einem Zweigbetrieb der Rheinmetall-Borsig AG, Flakgeschütze produziert hatten. Sie waren zusammen mit ihren SS-Wachen über das Konzentrationslager Mauthausen nach Hannover evakuiert worden, um hier in den Hallen der Firma Hanomag die Geschützproduktion fortzusetzen.]

Im Februar 1945 befanden sich 6.000 Häftlinge in den hannoverschen Konzentrationslagern. Ihre Gesamtzahl lag jedoch um ein Vielfaches höher, da tote und arbeitsunfähige Häftlinge laufend durch "Neuzugänge" aus dem Stammlager Neuengamme ersetzt wurden. Die Vernichtung der dortigen Akten läßt eine Rekonstruktion der Gesamtzahl nicht mehr zu.

Pappelberg Bilder

Die Konzentrationslager waren nur die Spitze des Eisbergs. Als die Alliierten die Stadt besetzten, hatten sich andere Zwangsarbeiter, die aus allen von den deutschen Truppen besetzten Gebieten Europas stammten, bereits selbst befreit. Die Stadt war übersät mit verschiedenen Lagern für Kriegsgefangene und für männliche und weibliche Zivilarbeiter, die mit mehr oder weniger Zwang aus den von Deutschland besetzten Ländern nach Hannover gebracht worden waren.

Hier im Bild sehen wir den Aufbau des großen Lagers am Pappelberg in Ricklingen.

Ausschachten der Splittergräben, Feuerlöschteich, Baracke von Innen .....

In diesem Lagerkomplex waren unter vielen anderen die Geschwister Olga und Halina Plugatar aus der Ukraine interniert, die von März 1943 bei den Vereinigten Leichtmetallwerken in Ricklingen arbeiten mußten und heute unter uns sind. Sie seien hiermit auf das herzlichste begrüßt.

Daß die Menschen nicht freiwillig für die deutsche Rüstungsindustrie arbeiten wollten, belegt die Einrichtung von sog. Arbeitserziehungslagern, in die all jene verbracht wurden, die sich nicht willfährig dem Arbeitszwang unterwarfen. In diesen Lagern herrschten verschärfte Arbeits- und Haftbedingungen, für viele bedeutete die Überstellung nur eine Vorstufe zum KZ. In Hannover gab es 3 solcher Straflager u. a. bei der Firma Pelikan Günther Wagner.

Eine kurze Bilanz des Zwangsarbeitereinsatzes kommt zu folgendem Ergebnis:

Die186 Betriebe, die Ende 1944 noch im Einzugsbereich des Rüstungskommandos Hannover verbliebenen waren, beschäftigten insgesamt ca. 135.000 Menschen. Davon waren knapp 60.000 also etwa 40% ausländische Zwangarbeiter, nicht ganz die Hälfte von ihnen Frauen und Mädchen.

[Insgesamt waren 135.051 Arbeitskräfte im Einsatz, davon 2/3 Männer (90.791 Männer) und 1/3 (44.260) Frauen.Von den ca. 135.000 Arbeitskräften waren ca. 60% (78.000) Deutsche (50.000 Männer und 28.000 Frauen). 57.000, also ungefähr 40% aller Arbeitskräfte, waren ausländische ZwangsarbeiterInnen - unter Ihnen ca. 60% (38.000) Männer und ca. 40% (mehr als 15.000) Frauen.]

Sie verteilten sich auf mehr als 500 Lager, die vor allem in den Industriestandorten der Stadtteile Döhren, Linden, Ricklingen, Stöcken, Vahrenwald und Wülfel und einigen Vororten wie Langenhagen, Misburg konzentriert waren.

Damit lag der Anteil ausländischer Arbeitskraft im hannoverschen Mikrokosmos, selbst im Vergleich mit anderen rüstungswirtschaftlichen Zentren wie etwa den goßen Rüstungsschmieden des Ruhrgebietes, weit über dem Reichsdurchschnitt.

Größer war der Anteil nur in den riesigen Kombinaten, wie den Hermann-Göring-Werken in Salzgitter, die während der Hochrüstungsphase vor Kriegsbeginn aus dem Boden gestampft wurden, also über keine angestammte Belegschaft verfügten und von Beginn an mit einem hohen Anteil ausländischer Arbeitskräfte produzierten.

Die Höchstzahl der im gesamten Deutschen Reich zu einem Zeitpunkt registrierten ausländischen Zwangsarbeiter wurde (im Herbst) 1944 mit 7,7 Mill. erreicht.

Sie waren zu etwa je einer Hälfte in der Landwirtschaft und der Industrie eingesetzt.

Hinzurechnen muß man noch ca. 500.000 KZ-Häftlinge, die in den bekannten Stammlagern und den mehr als 1.000 Außenkommandos zur Arbeit gezwungen wurden.

[Ihr Anteil an der Gesamtzahl von 28,9 Mill. Beschäftigten belief sich im Durchschnitt aller Wirtschaftsbereiche auf ca. 26%. Die Verteilung war natürlich branchenspezifisch recht unterschiedlich. Die Konzentration ausländischer Arbeitskräfte war in der Landwirtschaft mit 46% am höchsten, gefolgt von den zentralen Industriesektoren Bergbau, Metall, Bau und Chemie mit einem Anteil von ca. 30% und nur geringen Prozentzahlen in der Textilindustrie (11%), Handel und Verwaltung (6% bzw. 3%).]

Wie war es zu diesem enormen Einsatz von ausländischen Zwangsarbeiterinnnen und Zwangsarbeitern gekommen?

Wir erinnern uns, daß die Nazis ja zunächst mit der Parole angetreten waren, die hohe Arbeitslosigkeit in Deutschland zu beseitigen.

In einer Zeit, in der also die Vollbeschäftigung der deutschen "Volksgenossen" erreicht werden sollte, kann es natürlich nicht angehen, "daß ihnen Nichtdeutsche den Arbeitsplatz wegnehmen", hieß es noch im Wirtschaftlichen Sofortprogramm" der NSDAP von 1932.

Das Ziel Vollbeschäftigung wurde durch ein staatliches Arbeitsbeschaffungsprogramm, das einherging mit direkten und indirekten Wiederaufrüstungsmaßnahmen, bereits 1936 erreicht. Die außerordentlich forcierte Rüstungskonjunktur hatte zu einem unterschiedlich schnellen Wachstum einzelner Wirtschaftsbereiche und sogar schon zu Arbeitskräfteknappheit in einigen Branchen geführt. Die generell besser bezahlten und sozialpolitisch attraktiveren Arbeitsplatzangebote in der Industrie hatten eine massive Landflucht eingeleitet. Zwischen 1933 und 1938 wanderten viele Landarbeiter in die Städte ab und fanden Beschäftigung in den Großbetrieben der Industrie, die ihre Belegschaft in mehreren Fällen innerhalb von sechs Jahren verdreifachten. Gleichzeitig wurde der Mangel an Devisen und strategischen Rohstoffen deutlich spürbar, der eine stärkere Intervention des Staates und eine klare Prioritätsentscheidung zwischen ziviler und Rüstungsproduktion nach sich zog. Der Vierjahresplan unter der Ägide Görings sollte den Bedarf an strategischen Rohstoffen sicherstellen und die interne Arbeitskräfteverteilung nach wehrwirtschaftlichen Gesichtspunkten regeln. Die Einrichtung von regionalen Rüstungsinspektionen und lokalen Rüstungskommandos 1935 sollte die eindeutige Prioritätssetzung auf den militärisch-industriellen Komplex umsetzen und kontrollieren, die Kriegsfähigkeit Deutschlands mit aller Macht und Schnelligkeit vorantreiben.

Zu diesem Zweck wurden die Betriebe nach ihrer rüstungswirtschaftlichen Bedeutung eingeteilt und ihre Belegschaft nach der jeweiligen Rangordnung "umgesetzt". Auf diese Weise wurden zunächst die nicht kriegswichtigen Firmen "ausgekämmt", wie man damals sagte. Als diese Maßnahmen erschöpft waren, stellte sich erstmals das Problem der Arbeitskräftebeschaffung aus externen Quellen.

Zunächst wurden die Einreisebestimmungen für polnische Wanderarbeiter wieder gelockert, ideologisch jedoch als nur vorübergehende Maßnahme deklariert, denn "kein Staat kann ohne Gefahren auf die Dauer seine nationale Wirtschaft von der Arbeit ausländischer, fremdstämmiger Arbeiter abhängig machen", schrieb noch 1938 der Staatssekretär im Arbeitsministerium, Syrup.

Als zu groß galt das sicherheitspolitische und ideologische Risiko, insbesondere in der mit "Blut und Boden"-Symbolen besetzten Landwirtschaft. Diese Bedenken wurden jedoch angesichts des wachsenden Bedarfs bald zurückgestellt, der Ausländereinsatz wurde polizeilich geregelt.

Der Kriegsbeginn veränderte die Lage grundsätzlich.

Die sog. "Polenerlasse" des Jahres 1940, die ein radikales Apartheidssystem begründeten, bildeten die Grundlage für die von nun an langfristig konzipierte Nutzung der Arbeitskräfte aus dem Osten. "Diese Bevölkerung wird als führerloses Arbeitsvolk zur Verfügung stehen und Deutschland jährlich Wanderarbeiter und Arbeiter für besondere Arbeitsvorkommen (Straßen, Steinbrüche, Bauten) stellen", ein Zitat aus Himmlers "Gedanken über die Behandlung der Fremdvölkischen im Osten".

Die generelle Unterbringung in Lagern, zumindest aber eine räumliche Trennung (von) und Kontaktverbot mit der deutschen Bevölkerung wurden angeordnet; das deutliche Kennzeichen der Kleidung mit einem "P" und eine bis in die Kleinigkeiten des Alltags hineinreichende Verbotsliste reglementierten das Leben der polnischen "Zivilarbeiter", zu denen ab Sommer 1940 auch die Kriegsgefangenen gezählt wurden. Im Mittelpunkt dieser repressiven Maßnahmen, die den Umgang der deutschen Bevölkerung mit den polnischen ZwangsarbeiterInnen auf ein Minimum begrenzen sollten, standen die rassisch bzw. sexualpolitisch relevanten GV-Erlasse. Sie stellten den sexuellen Verkehr zwischen Deutschen und Polen unter drakonische Strafen. Den polnischen Männern drohte die Todesstrafe (und sie wurde auch vollzogen), den Frauen die öffentliche Diffamierung und das KZ, während der deutsche Mann im doppelten Sinne des Wortes "ungeschoren" davon kam, wenn er "dem Landserlied entsprechend 'in einem Polenstädtchen mit einem Polenmädchen` verkehrt hatte."

Die Arbeitspflicht wurde mit ähnlich terroristischen Mitteln durchgesetzt. Wer wegen wiederholter "Arbeitsbummelei" oder gar Arbeitsverweigerung angeklagt worden war, mußte mit der Inhaftierung in einem "Arbeitserziehungslager" rechnen, das für viele die Vorstufe zum KZ wurde. In beiden Straflagertypen herrschten derart schlechte Arbeits-und Lebensbedingungen, daß deren Praxis ungeachtet möglicher gegenläufiger Intention als "Vernichtung durch Arbeit" bezeichnet werden muß.

[Anders als die Behandlung war die Bezahlung der polnischen Zwangsarbeiter für den deutschen Landwirt oder Unternehmer nicht wesentlich niedriger als für eine deutsche Arbeitskraft, mit der er nicht in Konkurrenz treten sollte. Die Entlohnung des polnischen Arbeiters durfte aber wiederum nicht auf der gleichen Stufe mit der seines deutschen Kollegen stehen und war daher um 15% geringer veranschlagt. Die Differenz mußte der Arbeitgeber als Ausgleichsabgabe an den Staat abführen.]

Zahlreiche Einzelerlasse, z. B. die Einordnung der Polen in die niedrigste Tarifklasse, keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und keine Zulagen, führten in der Folgezeit dazu, daß nach Abzug von Steuern und Entgelt für Unterbringung und Verpflegung nicht viel mehr als das Existenzminimum blieb. Für einen beabsichtigten Transfer des Lohnes zum Unterhalt der Familie nach Polen blieb daher kaum etwas übrig, und meistens klappte auch die Überweisung nicht korrekt.

Bilder Kowalska

Unter unseren Gästen befinden sich viele polnische Staatsbürger, die damals entweder alleine oder mit Teilen der Familie nach Hannover deportiert wurden. Stellvertretend für viele möchte ich Wladyslawa Kowalska begrüßen, die bereits im Juni 1940 im Alter von 19 Jahren zur Zwangsarbeit bei der Firma Bahlsen verpflichtet wurde. Ihre Geschichte ist in dem gerade erschienenen Buch von Janet Anschütz und Irmtraud Heike "Feinde im eigenen Land" ausführlich dokumentiert.

Bilder Zielinska

Noch im Oktober 1944 wurde Jadwiga Zielinska mit ihrer Familie nach Hannover in Marsch gesetzt. Sie wurde wie so viele andere auch Opfer deutscher Vergeltungsaktionen nach dem verzweifelten Aufstand der polnischen Heimatarmee im besetzen Warschau. Familie Zielinska landete in einem Lager der Deutschen Reichsbahn in der Schulenburger Landstraße. Auch sie beschreibt ihr Schicksal in dem bereits erwähnten Buch. Jadwiga Zielinska ist ebenfalls unter unseren Gästen, sie sei hiermit herzlich begrüßt.

Die Rekrutierung westlicher Zivilarbeiter wurde zunächst nicht mit demselben Nachdruck betrieben wie in Polen, weil der Arbeitskräftebedarf durch die Anwerbung von mehr als einer halben Million zusätzlicher Arbeitskräfte aus Italien, Jugoslawien und auch Belgien bis zur ersten Jahreshälfte 1941 gesichert war.

In der Siegeseuphorie der Blitzkriegsphase regte sich auch der ideologische Widerstand gegen die "Überfremdung des deutschen Volkes" und die zumindest theoretische Gleichstellung der "Westarbeiter" mit den deutschen Arbeitskräften. Insbesondere der gleiche Lohn für angeblich weniger Arbeit auf seiten der Beschäftigten aus "fremdvölkischen", aber politisch befreundeten Ländern, wie Italien, bzw. "blutlich verwandten", wie Holland, erregte die deutschen Gemüter.

Daß zwischen Theorie und Praxis auch beim Arbeitseinsatz von Westeuropäern eine breite Lücke klaffte, zeigt das Bsp. von Pieter M. Appel, der heute unter uns weilt und ebenfalls herzlich gegrüßt sei. Herr Appel wurde mit 19 Jahren gegen seinen Willen aus seinem Elternhaus verschleppt und mußte von Juni 1943 bis zum Ende des Krieges bei der Akkumulatorenfabrik in Stöcken arbeiten. Seine Erinnerungen an Hannover sind geprägt von Angst und Entbehrungen und nicht durch Blutsverwandschaft und Privilegien. Aufgrund der gesundheitsschädlichen Arbeit bei der Akku verlor er einen Finger, der nach einer akuten Bleivergiftung zu spät behandelt worden war. Er wird hierüber ausführlicher auf der Veranstaltung am kommenden Mittwoch in der Volkshochschule berichten.

Der Rußlandfeldzug stellte alles in den Schatten, was es bisher schon an rassistischer Verfolgung in Deutschland und den besetzten Gebieten gegeben hatte. Die Einsatzgruppen der SS liquidierten sofort alle "rassisch Unerwünschten" und "Politkommissare" oder vielmehr diejenigen, die sie dafür hielten. An einen Einsatz des vorhandenen Arbeitskräftepotentials für die deutsche Wirtschaft wurde in der ersten Phase weder in bezug auf die Kriegsgefangenen noch in bezug auf die Zivilisten gedacht. Damit entfiel ein wesentliches Motiv, diese Menschen am Leben zu erhalten. Die Folgen sind bekannt: Schon gleich nach Beginn des Krieges gegen die Sowjetunion begann das Massensterben in den Stalags der deutschen Wehrmacht. Insgesamt etwa die Hälfte der fast 6 Mill. in Gefangenschaft geratenen Soldaten der Roten Armee kamen in deutschem Gewahrsam um. Die meisten fielen bereits im ersten Kriegsjahr 1941 Seuchen und Unterernährung zum Opfer.

Solange die politische und militärische Führung noch von einer Fortsetzung der Blitzkriegsstrategie ausging, wurden keinerlei Maßnahmen getroffen, um der Massentötung durch Unterlassung Einhalt zu gebieten. Erst als klar wurde, daß der Krieg nicht bis Jahresende siegreich zu beenden war, die deutschen Arbeitskräfte weiter an der Front gebunden blieben und eine enorme Steigerung der deutschen Rüstungsindustrie nötig sein würde, wurden die sowjetischen Kriegsgefangenen, später auch Zivilisten, gegen die sicherheitspolitischen und ideologischen Bedenken in Partei und SS als Arbeitskräftereservoir ins Auge gefaßt. Die ganze Palette rassistischer Herrenmenschenideologie, die bereits im Falle Polens mobilisiert wurde, richtete sich nun in verstärktem Maße gegen die sowjetischen Zwangsarbeiter. Die bereits eingeführten Diskriminierungen und Repressionsmittel fanden nun entsprechende, teilweise verschärfte Anwendung auf die "Ostarbeiter", wie ihre zusammenfassende Bezeichnung lautete. Im einzelnen bedeutete dies:

" Unterbringung in geschlossenen Wohnlagern, umzäunt, nach Geschlechtern getrennt; ... Verbot der Freizügigkeit und des Verlassens des Lagers außer zur Arbeit. ... Arbeit möglichst in geschlossenen Gruppen; Verhinderung jedes "Solidaritätsgefühls" zwischen Deutschen und Russen. Bewachung durch Werkschutz. ... Zweimal monatlich Möglichkeit zum Postverkehr. Verbot der seelsorgerischen Betreuung. Rücksichtsloses Durchgreifen - auch Waffengebrauch - bei Ungehorsam. Einweisung in Arbeitserziehungs- oder Konzentrationslager bei Arbeitsflucht. Todesstrafe bei Kapitalverbrechen, politischen Delikten und Geschlechtsverkehr mit Deutschen."

Eine Entlohnung war nicht vorgesehen. Nach den Richtlinien Görings sollten sie "ein kleines Taschengeld erhalten" und "dem Unternehmer billig zur Verfügung" stehen.

Gleichzeitig wurde aber, wie schon bei den polnischen Zwangsarbeitern, eine Abgabe der Unternehmer - die "Ostarbeitersteuer" - eingeführt, die die Unterschiede in den Lohnkosten nicht zu krass werden ließ. Nach Abzug aller Steuern und Unterhaltskosten blieben dem Arbeiter aus dem Osten in der Tat nicht mehr als ein paar Pfennige Taschengeld am Tag, die Sie dringend zur Aufbesserung der kagen Kost brauchten.

Der gesamte Arbeitseinsatz von Ausländern wurde seit Anfang 1942 in der Institution des "Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz" und in der Person des thüringischen Gauleiters Sauckel zentralisiert. Seiner Behörde oblag jetzt die gesamte Rekrutierung der ausländischen Arbeitskräfte, die in immer größerem Umfang und nun auch zwangsweise im besetzten Westeuropa als rücksichtslose Menschenjagd betrieben wurde, bei der "nur der Einsatz von Wehrmacht und Polizei den Erfolg verbürgen" konnte, wie es hieß.

Als auch das Mittel des physischen Zwangs nicht mehr die benötigte Zahl an Arbeitskräften garantieren konnte und die Grenzen extensiver Ausbeutung der Arbeitskraft erreicht waren, mußte man notgedrungen neben der Peitsche auch zum Zuckerbrot greifen, um die Arbeitsleistung der bereits eingesetzten Kräfte zu erhöhen.

Der Lohn für Ostarbeiter wurde nun auch nach Leistungsgruppen gestaffelt und die Abzüge und Prämien denen der polnischen Arbeiter angeglichen.

[Damit konnten sie netto, d. h. ausgezahlt, zwischen 10 Pfennig und 2,50 RM pro Tag verdienen. Das entsprach zwischen 6% und 25% des vergleichbaren deutschen Lohnniveaus. ]

Auch die Verpflegungssätze wurden vereinheitlicht: die für polnische Arbeitskräfte etwas herabgesetzt, die für die "Ostarbeiter" etwas erhöht. Ihre Lebensbedingungen verbesserten sich durch diese Lohndifferenzierungen, die als wirtschaftlicher Anreiz für mehr Leistung gedacht waren, jedoch nicht; sie wurden selbst nach dem Eingeständnis der deutschen Behörden eher schlechter.

Der Krieg neigte sich dem Ende zu, die Verhältnisse wurden durch die ständigen Bombardements, Verpflegungsmangel und Transportschwierigkeiten zunehmend unübersichtlich und chaotisch. Umso unberechenbarer gestaltete sich das Leben und Überleben der ausländischen Zwangsarbeiter. Eine regelmäßige Versorgung mit den nötigsten Lebensmitteln war nicht mehr gewährleistet, dies verstärkte den Zwang sich selbst zu versorgen und Widerstand zu leisten gegen den Terror der Gestapo, die bereits geringste Selbsterhaltungsmaßnahmen, wie das "Organisieren" von Nahrung mit dem Tode bedrohte. Die Einweisungen in die Arbeitserziehungslager und KZ nahm rapide zu, und selbst dort wurden noch einmal schwarze Listen zusammengestellt, mit den Namen derjenigen, die den Einmarsch der Alliierten nicht mehr erleben sollten.

Zu Ihnen gehörte Nikolaj Denejko, den ich ebenfalls persönlich begrüßen möchte. Ihm gelang es durch eine mutige Flucht in letzter Minute, dem größten Massaker der NS-Zeit in Hannover, den Erschießungen auf dem Seelhorster Friedhof wenige Tage vor dem Einmarsch der Amerikaner zu entkommen.

Film Seelhorst

Sie sehen hier Bilder von der Exhumierung der Opfer und ihrer feierlichen Wiederbestattung am Nordufer des Maschsees vom 2. Mai 1945. Dorthin wollten wir uns im Anschluß an diese Veranstaltung zum stillen Gedenken begeben. Leider konkurriert unser Vorhaben mit einem gleichzeitig stattfindenden Fußballspiel im nahegelegenen Stadion. Deshalb haben wir uns entschlossen die Kranzniederlegung an der im Krieg zerstörten und als Mahnmal erhaltenen Ägidienkirche vorzunehmen.

Lassen Sie mich dennoch meinen Vortrag beschließen mit der Geschichte dieses schrecklichen Ereignisses, dem Nikolaj Denejko und 8 andere entkommen waren.

Die Gestapo hatte bereits seit Februar/März damit begonnen Gefangene im Polizeiersatzgefängnis Ahlem zu exekutieren. Bis zum 2. April wurden mehr als 70 Männer und auch Frauen, die meisten von Ihnen aus der Sowjetunion, in der ehemaligen Laubhütte der Israelitischen Gartenbauschulen in Ahlem erhängt. Dann sollten die Spuren dieser Verbrechen beseitigt werden in dem die Exekutionsstätte verbrannt wurde. Noch heute lassen sich die Brandspuren an der alten vor Ort befindlichen Kastanie nachweisen. Gestapochef Rensch hatte aber noch weitere 56 Häftlinge des Gestapo-Gefängnisses und offensichtlich auch noch ca. 100 gerade aus dem AEL Lahde eingetroffene vorwiegend sowjetische Zwangsarbeiter, unter ihnen Nikolaj Denejko auf seiner Todesliste.

Am Morgen des 6. April wurde diese Gruppe von ca. 150 Gefangenen durch die Stadt in Richtung Seelhorster Friedhof in Marsch gesetzt. Nikolaj Denejko, der die Stadt Hannover relativ gut kannte, bemerkte, daß es nicht, wie angekündigt zum Arbeitsamt ging sondern Richtung Wülfel, wo er vorher gearbeitet hatte. Irgendetwas sagte in ihm: "hier stimmt etwas nicht, lauf weg, ihr werdet umgebracht."

In einem unbeobachteten Moment stahl er sich in einer menschenleeren Straße davon, versteckte sich in einem Keller. Plötzlich hörte er die Stimme eines Freundes "Bist Du es Kola?" Noch 7 weitere Gefangene hatten es ihm gleich getan und waren dem Exekutionskommando entflohen. Sie überlebten die letzten Kriegstage in einer Scheune außerhalb der Stadt, wo Sie alsbald von der Befreiung der Stadt durch die Amerikaner erfuhren. Aber sie erfuhren auch auch vom Schicksal ihrer Kameraden, die mit Ausnahme des Hauptmanns Palnikov, der noch während der Exekution auf dem Seelhorster Friedhof einen SS-Mann mit dem Spaten niederschlagen und fliehen konnte, erschossen und in einem Massengrab verscharrt wurden.

Die Amerikaner ließen die Leichen von führenden Nazis der Stadt exhumieren und unter erzwungener Teilnahme der Bevölkerung am Maschseenordufer feierlich bestatten. Die Bilder von diesem Ereignis konnten Sie im Film verfolgen.

Natürlich stellt sich am Schluß die Frage nach den Verantwortlichen, nicht nur an diesen Verbrechen der Endphase, sondern auch am vorhergegangenen Menschenraub:

Natürlich waren es die zentralen Dienstellen von Staat und Partei, aber auch die regionalen und lokalen Behörden vom Arbeitsamt über Ernährungsamt bis zum Friedhofsamt, es waren die großen und kleinen Betriebe, die sich skrupellos der Zwangsarbeiter bedienten, nach dem Kriege aber rigoros jede Verantwortung von sich wiesen.

Konnte auch die deutsche Bevölkerung von der Existenz dieser Lager und der dort verübten Verbrechen wissen?

Ganz sicher wußten es die im gleichen Unternehmen beschäftigten Arbeiter und Angestellten, die den Arbeitsplatz mit den Häftlingen teilten. Ein Blick auf die Lageskizzen der Lager läßt keinen Raum für die Meinung, man habe von Ihnen nichts sehen und hören können. Das KZ nebenan, z. T. in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Wohngebieten der deutschen Bevölkerung, gehört zu den erstaunlichsten Aspekten der nationalsozialistischen Herrschaft, denn sie brachten den einzelnen Bürger in Kontakt mit dem Terrorapparat des Regimes.

Diese unmittelbar nach der Befreiung der Lager noch deutlich sichtbare Verbindung von Bevölkerung und NS-Verbrechen durch Mitbeteiligung oder zumindest Mitwissen ist schnell verdrängt worden.

Das nun schon beschämend lange andauernde Gefeilsche um eine angemessene materielle Entschädigung hat noch einmal die Erinnerung an diese Kapitel deutscher Geschichte wachgerufen. Dies scheint mir eine der wenigen positiven Begleiteffekte der Entschädigungsverhandlungen zu sein.

Verwendete/weiterführende Quellen


Eine Auswahl von Standfotos befindet sich in: Rainer Fröbe/Claus Füllberg-Stolberg/Christoph Gutmann/Rolf Keller/Herbert Obenaus/Hans Hermann Schröder, Konzentrationslager in Hannover. KZ-Arbeit und Rüstungsindustrie in der Spätphase des Zweiten Weltkriegs, Hildesheim 1985, Teil II, Abb. 129-152.

Hans Hermann Schröder, Das erste Konzentrationslager in Hannover. Das Lager bei der Akkumulatorenfabrik in Stöcken, in: Fröbe u. a., a. a. O., Teil I, S. 44-108.

Christoph Gutmann, KZ Ahlem: Eine unterirdische Fabrik entsteht, in: Fröbe u. a., Teil I, S. 331-406.

Claus Füllberg-Stolberg, Frauen im Konzentrationslager: Langenhagen und Limmer, in: Fröbe u. a., Teil I, S. 277-330.

Ebenda.

Rainer Fröbe, Arbeit für die Mineralölindustrie: Das Konzentrationslager Misburg, in: Fröbe u. a., Teil I, S. 131-276.

Rolf Keller, Das KZ Mühlenberg: Auschwitz in Hannover, in: Fröbe u. a., Teil II, S. 407-492.

Bundesarchiv Koblenz (BA): R3/2008/0450 Reichsbetriebskartei, zit. nach Hans Hermann Schröder, Probleme der Rüstungswirtschaft in Hannover, Examensarbeit Hannover 1981 (Manuskript).

Zit. nach Herbert, Fremdarbeiter, S. 51.

Friedrich Syrup, Der Arbeitseinsatz in Deutschland im Jahre 1938, in: Soziale Praxis, 47, S. 131, zit. nach Herbert, Fremdarbeiter, S. 55.

Verträge mit Polen über bestimmte Arbeiterkontingente sollten die Beschäftigungsdefizite ausgleichen, die Einrichtung einer Ausländerzentralkartei und neue Ausländerpolizeiverordnungen sollten deren lückenlose Erfassung und Kontrolle sicherstellen.

Helmut Krausnick (Hg.), Heinrich Himmler: Gedanken über die Behandlung der Fremdvölkischen im Osten, in: VfZG, 5, 1957, S. 195, zit. nach Herbert, Fremdarbeiter, S. 75.

Herbert, Fremdarbeiter, S. 81.

Zur Diskussion von Theorie und Praxis der "Vernichtung durch Arbeit" siehe Wolfgang Sofsky, Die Ordnung des Terrors. Das Konzentrationslager, Frankfurt 1993, S. 193-228, Ulrich Herbert, Arbeit und Vernichtung. Ökonomisches Interesse und Primat der "Weltanschauung" im Nationalsozialismus, in: Dan Diner (Hg.), Ist der Nationalsozialismus Geschichte ?, Frankfurt 1987, S. 198-236, Hermann Kaienburg, "Vernichtung durch Arbeit". Der Fall Neuengamme, Bonn 1991 (2.Aufl.), Rainer Fröbe, "Vernichtung durch Arbeit"? KZ-Häftlinge in Rüstungsbetrieben an der Porta Westfalica in den letzten Monaten des Zweiten Weltkrieges, in: Joachim Meynert/Arno Klönne (Hg.), Verdrängte Geschichte. Verfolgung und Vernichtung in Ostwestfalen 1933-1945, Bielefeld 1986, S. 221-197.

Christian Streit, Keine Kameraden: Die Wehrmacht und die sowjetischen Kriegsgefangenen 1941-1945, Stuttgart 1978, S. 244f., Rolf Keller, "Russenlager". Sowjetische Kriegsgefangene in Bergen-Belsen, Fallingbostel-Oerbke und Wietzendorf, in: Hans-Heinrich Nolte (Hg.), Der Mensch gegen den Menschen, Hannover 1992, S.111-136. In der Russichen Geschichtswissenschaft wird die Zahl der Verluste zur Zeit intensiv diskutiert. Die quantitativen Angaben über die Todesrate in deutscher Gefangenschaft bewegen sich auf deutlich niedrigerem Niveau. Hans-Heinrich Nolte hat die wichtigsten Ergebnisse der Debatte zusammengefaßt: W. I. Koslow berechnet die Zahl der in der Folge des Krieges frühzeitig gestorbenen Menschen auf annähernd 40, die Zahl der nicht geborenen Kinder auf 10 Millionen Menschen (W. I. Koslow: Menschenopfer und Materialverluste der Sowjetunion im Krieg 1941-1945, deutsch in Klaus Meyer, Wolfgang Wippermann Hg.: Gegen das Vergessen, Frankfurt 1992, S. 157-169) Koslow schreibt für diese Berechnung die vor 1941 ermittelten Zuwachsraten der Bevölkerung je Geschlechts- und Altersgruppe fort. 1993 wurden die Statistiken des Kriegskommissariats publiziert (Grif skretnosti snjat, Moskva 1993), die u. a. von S. Maksudov kritisiert wurden (S. Maksudov: O frontovych poterjach Sovetskoj Armii v gody Vtoroj Mirovoj Vojny, in Svobodnaja mysl' 1993/10, S. 117-119).

Die Zahlen des Kriegskommissariats und die Maksudovs im Vergleich (in Millionen):

1. Militärische Verluste Kriegskommissariat Maksudov
Insgesamt mobilisiert 34,5 32,0
Auf dem Schlachtfeld gefallen 5,2 5,5
An Wunden gestorben 1,1 1,0
Gefangene und Vermißte 4,6 4,3
(davon Gefangene) 4,1
In der Gefangenschaft gestorben 1,8 1,0
Verwundete 18,3 18,0
Nach der Verwundung demobilisiert 3,8 4,7
Summen:

1. Tödliche Verluste 8,1 7,5
2. Verluste für die Kriegführung 14,7 15,5
3. Zeitweise Ausfälle (Genesene), 14,5 13,3
die in der Armee blieben
2. Verluste ziviler Bevölkerung
Juden, Leningrader, andere im
Frontbereich 7
Verluste im Inland auf Grund schlechter
Lebensbedingungen (d.h. in der Regel verhungert) 7
Verluste der Lagerbevölkerung
incl. Umsiedler 3

---------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Summe 18,9 17
Insgesamt auf beiden Seiten der
Front unmittelbar durch den Krieg
verstorbene Sowjetbürger 27,0 24,5

Herbert, Geschichte, S.137. Vgl. auch Ders., Fremdarbeiter, S. 154-157.
Zit. nach Herbert, Fremdarbeiter, S. 171.

Rolf-Dieter Müller, Die Rekrutierung sowjetischer Zwangsarbeiter für die deutsche Kriegswirtschaft, in: Ulrich Herbert (Hg.), Europa und der "Reichseinsatz", Essen 1991, S. 239.

Ein besonders beschämendes Beispiel bietet die Firma Varta, die weder eine rechtliche noch moralische Verantwortung erkennen ließ. Siehe dazu Fröbe, u.a., S. 581-584.

Quelle


Zwangsarbeit im Raum Hannover