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Thema: [Neustadt am Rübenberge: 1945] Kämpfe an der Löwenbrücke

  1. #1
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    [Neustadt am Rübenberge: 1945] Kämpfe an der Löwenbrücke

    Die Löwenbrücke in Neustadt am Rübenberge wurde, so eine Chronik, gesprengt, als gerade eine Gruppe von britischen Soldaten über die Brücke die Reichsstrasse 6 (heute Bundesstrasse 6) erreichen wollte, um über diesen Weg nach Hannover zu gelangen. Dabei starben 24 britische Soldaten. Diese Gedenktafel soll daran erinnern.


    (htim, am 01.11.2006)
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  2. #2
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    Abschrift: (Seite 44-46) aus "Krieg in der Heimat" von U. Saft


    Sämtliche fünf Brücken bei Basse, Helsdorf, Niederstöcken und Bothmer waren von den deutschen Sprengtrupps dicht vor den britischen Panzerspitzen gesprengt worden.

    Besonders dramatisch war bereits am 7. April die Sprengung der sechsten Leine-Brücke bei Neustadt am Rübenberge verlaufen. Das 7. Bataillon der 6. britischen Luftlande-Division hatte von Petershagen kommend, kurz vor Abend den Ortsrand von Neustadt erreicht. Es hätte hier ungestört zur Ruhe übergehen können. Aber irgend etwas trieb die britischen Fallschirmjäger, noch die Leine-Brücke im Handstreich zu nehmen. Vielleicht versprachen sie sich einen Vorteil von der Dunkelheit, vielleicht war es auch nur der Ehrgeiz. Immerhin hatte vor wenigen Stunden das südlich von ihnen angreifende 12. Fallschirmjäger-Bataillon die Brücke bei Bordenau unzerstört nehmen können. Warum sollte das hier in Neustadt nicht auch gelingen? Den Auftrag zum Handstreich erhielt die 2. Kompanie des Majors "Tiger" Reid. Sein Angriffsziel war die "Löwenbrücke". Mit dem 4. und dem 5. Zug voraus schlich sich der Major an der Leine entlang. Unvermutet stand er plötzlich mit seinen Männern vor der alten Bogenbrücke. Von deutschen Soldaten war nichts zu sehen und zu hören. Auf Handzeichen stürmte eine Gruppe unter Führung des stellvertretenden Kompaniechefs los. Als sie mitten auf der Brücke waren, sahen sie schemenhaft mehrere Fliegerbomben am Fahrbahnrand liegen.

    Die Briten hetzten weiter. Da hämmerte auf deutscher Seite urplötzlich ein Maschinengewehr. Die Gruppe hatte einige Verwundete, erreichte aber dennoch das andere Brückenende und ging in Deckung. 20 weitere Briten, die der ersten Gruppe nachgelaufen waren, befanden sich in der Brückenmitte, als sie das pausenlos schießende MG zu Boden zwang. Sie lagen dicht neben den Bomben und tasteten in der Dunkelheit nach den Sprengschnüren. Sie mußten versuchen, die Zündverbindungen sofort zu unterbrechen. Da erfolgte die Detonation. Alle Briten, die sich auf der Brücke befanden, kamen zu Tode. Die Gruppe auf dem rechten Ufer hatte vier Gefallene, alle anderen waren mehr oder minder durch Sprengtrümmer verwundet worden. "Tiger" Reid war wie durch ein Wunder unversehrt geblieben. Erst jetzt erkannte er auf seiner Karte ein nahes Stauwehr. Dort ging er mit einer Gruppe über die Leine und nährte sich vorsichtig der Sprengstelle. Hier kam es noch einmal zum Feuerkampf, bei dem zwei Deutsche fielen. Diese wurden später, zusammen mit anderen, in der Nähe von Neustadt Gefallenen, auf dem Neuen Friedhof beigesetzt. Als die Reste des deutschen Sprengkommandos die Stadt geräumt hatten, konnten die Briten ihre Toten bergen. Diese wurden später auf dem "War Cemetery" in Hannover-Ahlem bestattet. Sechs Verwundete brachten sie zum nächsten Haus. Dort öffnete ihnen Frau Erika Najork. Zusammen mit ihrer Tochter Ursula versorgte sie die Verwundeten die ganze Nacht. Zwischendurch spielte sie Piano und sang dazu leise "Evening Bells". Im Laufe des nächsten Vormittags brachte ein britischer Krankenwagen aus Bordenau die Verwundeten ins Neustädter Krankenhaus.

    40 Jahre später kam Major Reid mit acht anderen ehemaligen Angehörigen des 7. Bataillons nach Neustadt zurück. Gemeinsam gingen sie zu "ihrer" Brücke, die jetzt natürlich anders aussah als die gesprengte "Löwenbrücke".
    Sie klopften auch wieder an die Tür des alten Hauses in der Hannoverschen Straße. So wie in der Nacht des 7. April 1945 öffnete ihnen Erika Najork. Die quicklebendige 84jährige bat sie herein. Über das Folgende gibt es einen britischen Bericht: "In dem ruhigen, unveränderten Haus sprach Major Derick Reid einfache, bewegende Worte über Frau Erikas Arbeit in jener Nacht vor 40 Jahren. Im Namen des Bataillons überreichte er ihe eine einfache Erinnerungsplakette und drückte ihr unseren bisher ungesagten, verspäteten Dank und unsere unsterbliche Dankbarkeit für ihre selbstlose Hilfe uas. Das kam von Herzen, war gefühlsbetont und genau richtig. Manch einer von uns wischte sich heimlich die Augen, als die alte Dame antwortete: "Da gab es keine Feinde, nur junge Männer, die dringend Hilfe brauchten!"".

    Zwei Jahre nach dieser Begegnung ließ die Stadt Neustadt an der "Löwenbrücke" eine Gedenktafel anbringen, die auf die damaligen Ereignisse hinweist.

  3. #3
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    Haus neben der Löwenbrücke


    Dies ist das beschriebene Haus. Es steht direkt neben der Löwenbrücke. Frau Naujoks erzählt übrigens als Zeitzeugin in der Chronik von diesen Geschehnissen.

    Sorry für die Bildqualität; habe ich Abends mit meiner alten HP-Cam geknippst.

    Bilder und Text von "htim" geschrieben am 02.11.2006
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  4. #4
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    Am 07.11.2006 schrieb ich an "htim" :
    Eigentlich könntest Du doch mal ein exklusiv Interview mit der alten Dame führen. Nur mal so als Idee.
    Worauf sich am 01.08.2006 "Razzmatazz" im Forum angemeldet hatte, und folgendes mitteilte:
    Das wird wohl leider nicht mehr gehen.
    Ich bin der Urenkel dieser alten Dame und sie ist leider 1993 verstorben.
    Würd sonst auch gern mehr darüber erfahren, allerdings die Tochter lebt noch.
    Am 02.08.2006 antwortete "htim" darauf wie folgt:
    In diesem Buch findest Du ein ausführliches Interview mit Deiner Urgroßmutter, in dem die Vorgänge beschrieben sind. Ich fürchte leider, das das Buch bereits vergriffen ist. Ich habe es seinerzeit über den Arbeitskreis Regionalgeschichte e.V. ( http://www.ak-regionalgeschichte.de ) bezogen.

    Brieden, Hubert / Dettinger, Heidi / Hirschfeld, Marion: Neustadt 1945 – ’49, Nachkriegszeit in der Provinz, Neustadt 1987

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