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Thema: [Werk-LS] Hannoversche Maschinenbau AG ("HANOMAG"), Hannover-Linden

  1. #11
    Gast Avatar von niemandsland
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    Der Verkehrstunnel wurde (laut ehemaligen Mitarbeitern der Hanomag) bereits noch vor Beginn des Krieges Luftschutzsicher ausgebaut. Dazu muss man wissen, das der Tunnel zwischen Straße und Fussgängerweg großzügig trennte.

    Auf dem einen Foto sind mehrere Säulen zu sehen, vor diesen Säulen soll der schwere, gassichere Vorhang gehangen haben. Später sollen die Zwischenräume abgemauert worden sein. An den beiden Enden wurde je eine Gasschleuse mit einer "Schlupftür" (wörtlich im Text) eingerichtet. Hier sollten 1500 Menschen vor den Bomben der Alliierten in Sicherheit gebracht werden.

    Der Verkehrstunnel war ca. 280 m lang, 6,75 m breit und 3,20 m Höhe. Im Bereich mit den Säulen, der auf den Fotos abgebildet dargestellt wird, lag die Gesamtbreite bei 9,00 m hier wurde auch auf einer kurzen Strecke noch ein Förderband (zwischen Hamelner Straße und der Dreherei II) entlang geführt. Außerdem wurden noch zwei Notausgänge hier realisiert, hierbei dürfte es sich um die Verbindung zu den Verbindungsgängen zwischen zwei Hallen gehandelt haben.
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  2. #12
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    Den Abschluss zu diesem Beitrag soll vorerst ein Foto der "Werkluftschutz Befehlsstelle" auf dem Gelände der Hanomag, das den Werk(Luft-)schutzleiter Oberst a.D. Fröhlich, der zugleich den Werkluftschutz Abschnitt II Linden der Reichsgruppe Industrie leitete, sowie sein Stellvertreter, Dipl. Ing. Lüttringhaus, zeigt, bilden.
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  3. #13
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    ...wie schon geschrieben schließe ich mit den heutigen Beiträgen den Gesamtbeitrag zum Thema Luftschutzeinrichtungen / -anlagen auf dem ehem. Hanomag Gelände ab. Anzumerken sei hier noch einmal, das sämtliche Objekte die in diesem Beitrag vorgestellt wurden nicht mehr zugänglich sind.

    Der Rettungsstollen steht zum einem unter Wasser und außerdem befindet sich dieser noch auf dem Teil des Werkes, wo Hanomag-Komatsu nach wie vor produziert. Ich hatte hier 2005 einfach das Glück, dass ich das Gelände betreten durfte.

    Derzeit wird das ehem. Hanomag-Gelände rekultiviert. Der Bereich zwischen Göttinger Chaussee, Bahnanlagen und etwa dem OBI Baumarkt werden komplett neu gestaltet. Leider wurden dabei auch diverse ehem. Luftschutzeinrichtungen für immer zerstört. So der Keller unter dem heutigen Telekom-Gebäude (1945: Gebäude Nr. 34) und Gebäude 96 (1945: Gebäude 1c und teilweise 1b).

    Darüber hinaus wurden die Hallen 9 (1945: 1a) und 10 (1945: 2 und 3) inzwischen abgerissen. Dies geschah im Sommer/Herbst 2009 bzw. Frühjahr 2010.

    Desweiteren mache ich darauf aufmerksam, dass das Gelände Baustelle ist, und hier nach wie vor ein Wachdienst seine Runden dreht. Jede Person die durch den Wachdienst angetroffen wird, wird ohne Gnade angezeigt. Ausnahmen kann nur das Architekten-Büro in Gebäude 8c (1945: Gebäude 3 ermöglichen.

    Inzwischen ist man dort aber auch auf die "Besucher" nicht mehr so gut zu sprechen.

  4. #14
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    Luftangriffe mit Ziel "Hanomag"

    Laut CIOS Berichten aus dem Jahre 1947 wurden mehr als 100 Angriffe insgesamt gegen den Luftschutzort Hannover und die zugeordneten Luftschutzorte (Misburg, Langenhagen und Vinnhorst) geflogen. Davon richteten sich die hier aufgeführten 15 Luftangriffe - laut der Alliierten bzw. der Werksleitung "nur" gegen die Hanomag (Hannoversche Maschinenbau/-fabrik AG, Hannover) bzw. führten hier zu Schäden.

    -- Datum --

    - 15.07.1940 *
    09.10.1943
    - 10.10.1943 *
    18.10.1943 *
    - 20.08.1944 *
    11.09.1944
    22.10.1944 -
    26.10.1944
    - 03.02.1945
    05.02.1945 -
    03.03.1945 -
    14.03.1945
    17.03.1945
    - 25.03.1945
    28.03.1945

    * Diese Angriffe führten nicht zu Schäden bei der Hanomag oder der Angriff führte nicht zu einem Produktionsausfall.

    - vor einem Datum : Nur von Alliierten berichtet;
    - nach einem Datum : nur von der Verwaltung der Hanomag berichtet (mögliche sekundäre Angriffe?!?).

    Quelle: diverse CIOS Berichte zur Hanomag, Hannover, Deutschland.

  5. #15
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    Luftschutzanlagen für die Belegschaft

    Auf dem Hanomag Gelände gab es insgesamt 17 Luftschutzanlagen. In den meisten Fällen handelte es sich dabei um große Luftschutzkeller unter den diversen Werks-Hallen. Die 17 LS-Anlagen boten Platz für rund 9000 Menschen. Hinzu kommen noch zwei Tunnelsysteme, zum einen der "Verkehrstunnel" (die Verbindung zwischen Werk I und II). Dieser Tunnel bot Platz für 1500 Menschen. Ein weiterer Tunnel, der sogenannte "Rettungsstollen" (das Stollensystem was etwa 10 m unter der Bornumer Straße verläuft) war zum Kriegsende noch nicht vollendet. Lediglich ein Stollen-Paar von 2 geplanten Systemen war am Kriegsende teilweise ausgebaut worden. *1 Hier war geplant weitere 9000 Menschen vor den Bomben der Alliierten Bomber in Sicherheit zu bringen.

    Insgesamt waren Luftschutzplätze für 19500 Menschen vorgeplant. Am Kriegsende existierten in der Waffenschmiede "Hanomag" etwa 12000 Luftschutzplätze für die Belegschaft.

    Außerdem gab es noch einen Verbindungsgang zum Luftschutzbunker am Deisterplatz. Dieser wurde nach Kriegsende verfüllt.

    *1 Im Film "Unter den Straßen von Hannover" wird in dem Teil über Rettungsstollen auch gezeigt, das der Stollen zum Ende hin nicht komplett ausgebaut wurde, und zum Teil noch der pure Fels zu erkennen ist.

  6. #16
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    Kriegsproduktion 1939-1945

    Nur: Munition, Geschütze + Bomben

    Munitionsproduktion

    37 mm, 50 mm, 88 mm,
    100 mm, 105 mm, 122 mm,
    128 mm, 150 mm, 152 mm,
    155 mm, 170 mm, 203 mm,
    210 mm, 240 mm, 380 mm

    Geschützproduktion

    88 mm, 105 mm, 128 mm,
    150 mm, 210 mm, 280 mm,
    380 mm, sowie Eisenbahngeschütze.

    Laut Statistik wurden ab 1943 Flakgeschütze von der Hanomag produziert.

    Eisenbahn Flak

    1943 : 1 Stück

    88 mm Flak

    unbekannte Anzahl

    105 mm Flak

    1944 : 11 Stück

    128 mm Flak

    1943 : 183 Stück
    1944 : 246 + 36 Stück
    1945 : 32 + 16 Stück

    128 mm Flak Zwilling

    1944 : 18 Stück
    1945 : 9 Stück

    Insgesamt wurden zwischen Juni 1944 und März 1945 27 Geschütze produziert, wovon 1 bei einerm Angriff verloren ging.

    Bombenproduktion

    S.C. 10

    1939 : 35952 Stück

    S.C. 50

    1939 : 12773 Stück
    1940 : 260 Stück
    1941 : 83759 Stück
    1942 : 14422 Stück

    S.D. 50

    1939 : 44182 Stück
    1940 : 99518 Stück
    1941 : 34122 Stück

    250

    1940 : 6661 Stück

    Außerdem wurde noch während des Krieges bei der Hanomag produziert:

    - Halbkettenfahrzeuge (Sd.Kfz. 11)
    - Schützenpanzerwagen (Sd.Kfz 250/251)
    - Mannschaftstransportwagen „MTW“
    - schwere Feldhaubitzen
    - Flak-Geschütze
    - Großkalibermunition
    - Zugkraftwagen (ZgKW) SS 100 LN und andere.

    Diese Liste erhebt keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit.

    Quelle: diverse CIOS Berichte über die Hanomag AG, sowie aus dem oft zitierten Rüstungsreport mit Zahlen über die Kriegsproduktion bei Rüstungsbetrieben.

  7. #17
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    Zusätzliche Informationen über die ehem. Rüstungsschmiede "Hanomag" in Hannover gibt es hier:

    -- Internet (online)

    Wikipedia Artikel zur Hanomag Geschichte
    http://de.wikipedia.org/wiki/Hanomag

    Virtuellen Museum der Hanomag IG e. V. und dem Technik-Forum Hanomag e. V.
    http://www.hanomag-museum.de/

    -- Broschüren, Bücher, sontige Quellen

    BIOS/CIOS Berichte (Vorbericht/Endbericht)

    ZGS 8 BIOS ER Nr. 109_ - 1945 - HANOMAG, Hannover
    ZGS 8 BIOS FR Nr. 284_ - 194x - German Production fo Guns, Gun Mountings and Carriages and Small Arms
    ZGS 8 BIOS FR Nr. 487_ - 1946 - German Wheel Manufacture
    ZGS 8 BIOS FR Nr. 641_ - 1945 - The German Machine Tool Industry.
    ZGS 8 BIOS FR Nr. 829_ - 194x - German Agricultural Engineering Industry
    ZGS 8 BIOS FR Nr. 890_ - 1945 - German Methods of Forging and Machining H.E. and A.P. Shell
    ZGS 8 BIOS FR Nr. 1132 - 1946 - Investigation into the Inspektion Organisation of the German Armament Industry
    ZGS 8 BIOS FR Nr. 1174 - 1945 - Technical Developments in the Manufacture and Use of Contractors' Plant in Germany
    ZGS 8 BIOS FR Nr. 1541 - 1946 - German Metal Spraying Techniques
    ZGS 8 BIOS FR Nr. 1615 - 1946 - The German Metal Finishing Industry

    United States Strategic Bombing Survey (USSBS) :: Hannoversche Maschinenbau AG, Hanover, Germany :: Munitions Division :: 01/1947

    United States Strategic Bombing Survey (USSBS) :: Hanomag, Hanover, Germany :: Physical Damage Division :: 01/1947

    Demontage der Hannoverschen Maschinenbau AG (vormals Egestorff), Hannover-Linden

  8. #18
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    Nachtrag

    Ich hatte zuvor die mir bekannten CIOS Reports aufgeführt die die Firma Hanomag in Hannover behandeln, und eine kleine Erklärung dazu vergessen. Sorry.

    ZGS 8 ist ein Bestand im Hauptstaatsarchiv Hannover. Dort sind (was ich leider erst sehr viel später festgestellt habe) die meisten Reports zumindest als KOPIE vorhanden. Außerdem sind diverse Reports über die Technische Informationsbibliothek (TIB) der Uni Hannover verfügbar. Diese stehen im Haus 2 können aber in der Regel auch ins Haupthaus geliefert werden. Darüber kann man den einen oder anderen Report auch über die von mir kürzlich genannte Firma in den USA zu beziehen.

    ER = Eval. Report, FR = Final Report, die 4-stellige Zahl ist die Jahrezahl (sofern bekannt) wo der Report erschienen ist.

    Es gibt noch zwei Reports die ich bisher nicht kenne. Irgendwo soll auch noch Material lagern, das von den Amerikanern in der Verwaltung "eingesammelt", und in mehreren Boxen abtransportiert wurde. So jedenfalls ein Zeitzeuge, der inzwischen verstorben ist.
    Auch im USSBS :: Hanover Final Report gibt es Hinweise darauf, das Aktenmaterial und Zeichnungen den Weg in die USA gefunden haben, wovon ich aber trotz zweijähriger Recherche bisher keinen Hinweis drauf gefunden habe.

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